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Laufen für Jedermann > Interview mit Waldemar Cierpinski
news: waldemar.jpgHerr Cierpinski, warum sollte man eigentlich laufen bzw. joggen?

Waldemar Cierpinski:
"Nun das Laufen entwickelt sehr effizient das Leistungsniveau – man muss nur vor die Haustür treten, 30 Minuten Laufen und fertig. Laufen ist so einfach und trotzdem so gut für den Körper. Laufen kräftigt die Muskulatur, stärkt das Herz-Kreislauf-System, baut Stress ab und fördert die Leistungsfähigkeit der Organsysteme. Mit dem Laufen oder Joggen kann man perfekt auf die permanente Bewegungsarmut, die heutzutage vorherrscht, reagieren."

Es ist ja bereits erwiesen, das immer mehr Menschen joggen gehen und der Laufsport deutschlandweit zu einem echten Volkssport geworden ist. Sie sagen jedoch, Mitteldeutschland hinkt derzeit deutlich hinterher. Was sind die Gründe dafür?

"Der Osten hat eine andere soziale Prägung. Zudem ist die Einstellung zum Gesundheitssport leider noch nicht so ausgeprägt."

Um dies zu ändern und möglichst viele zum Laufsport zu bringen, haben Sie sich für dieses Jahr etwas ganz Besonderes einfallen lassen und auch umgesetzt. Sie haben erstmals eine Mitteldeutsche Marathon-Tour und den Mitteldeutschen Cup organisiert. Was genau verbirgt sich dahinter?

"Wir leben in einer Zeit der Bewegungsarmut. Darunter leidet der Organstoffwechsel, vor allem das Herz. Der Ausdauersport und das Laufen im Besonderen wirken dem entgegen. Um aber langfristig beim Laufen die Freude zu finden, ist es notwenig, dass man mit kleinen aber machbaren Schritten beginnt und wenn möglich in Gemeinschaft. Denn in der Gemeinschaft ist es einfacher den 'inneren Schweinehund' zu besiegen. Deshalb haben wir mit neun weiteren Veranstaltern die Sieger- und Jogger-Kampagne ins Leben gerufen, bei der man ohne Leistungsdruck, nur durch Teilnahme, also mit kleinen Schritten wie durch Staffelteilnahme, 1.000 bis 2.000 Meter Punkte erreichen kann. Die dann wiederum dazu führen, dass Vereine, Teams oder Mannschaften zur Unterstützung eine Prämie erhalten. Somit können wir erreichen, dass viele Anfänger dies als Gesundheits- und Leistungsoptimierung nutzen."

Und was ist das Ziel bzw. Anliegen dieser speziellen Aktionen?


"Wir wollen damit Aufmerksamkeit erzielen, um möglichst viele Neueinsteiger für das Laufen zu interessieren. Durch die Aktion "Jogger und Sieger" wurde ein Anreiz zum Punktesammeln mit Staffeln und Vereinskollegen geschaffen, außerdem winken attraktive Geld- und Sachpreise. Man wird also wirklich belohnt, wenn man sich bewegt... Eine große Übersicht dazu gibt es übrigens unter den Internetseiten www.mitteldeutscher-cup.de und unter www.jooger-und-sieger.de."

Der Auftakt war bereits im April - Zeit für ein Zwischenfazit. Wie läuft es, wie ist die Resonanz?

"Die Startphase dieser Aktion trägt unter den Insidern bereits Früchte. Wichtig ist, dass viele Anfänger erfahren, wie der Cup funktioniert und was beim Laufen zu beachten ist. Die Neueinsteiger sollen erkennen, dass beim Laufen mit Gleichgesinnten das Joggen einfach ist und vor allem auch Spaß macht. Ich habe viel in diese Aktion investiert und meine Erfahrung steht dadurch jedem zur Verfügung."

Es gibt eine These, derzufolge die Resonanz noch viel größer sein könnte. Sie lautet: "Jeder Mensch kann einen Marathon laufen!" Das klingt für viele sicher utopisch.... Was sagen Sie dazu, stimmt das?

"Das stimmt. Jeder gesunde Mensch kann einen Marathon laufen. Selbst für das hohe Alter sind kaum Grenzen gesetzt. Voraussetzung ist lediglich der körperliche Zustand, d.h. Muskeln und Knochenskelett müssen belastbar sein. Alles andere ist mit regelmäßigem Training erreichbar."

Helfen Sie mit Expertentipps! Wie geht man das Ziel Marathon am besten an?

"Gerne. Die Erfahrung meiner gelaufenen 250.000,00 Kilometer stelle ich allen zur Verfügung. Marathon hat zwei wichtige Komponenten, die man trainieren muss:
1. Bei jedem Schritt kommt ca. das dreifache Körpergewicht zum tragen, jeder Läufer ab 60 kg muss also mehr als 10 Tonnen tragen während eines Marathonlaufes. Deshalb spielt bei der Planung eines Marathonlaufes das Alter, die Zeit der Sportabstinenz, aber vor allem das Gewicht eine große Rolle. Personen mit einem Alter über 50 und übergewichtige Personen brauchen somit eine längere Anpassungsphase.

2. Wichtig vor Beginn des Trainings ist also ein Fitness-Check. Sehr wichtig für das Vorhaben ist auch die Organisation der Zeiträume für das Training - bestenfalls 2-3mal pro Woche. Sportler, die eine schlechtere Ausgangsposition für das Laufen haben, sollten mit zwanzigminütigem Gehen-Laufen-Training beginnen und allmählich die Gehpausen verkürzen und nach 6 Wochen zwanzig Minuten durchlaufen. Von der 7.-12. Woche kann man auf dreißig Minuten erhöhen. Ab der 13. Woche sollte die Streckenlänge allmählich erhöht werden. Nach ca. 25 Wochen sollte 1 x pro Woche ein längerer Lauf bis 90 Minuten angestrebt werden. Bis ca. zur 35. Woche ist ein Training von 150 Minuten einmal pro Woche einzuplanen. Natürlich muss man zusätzlich in dieser Zeit den Kopf bewegen, dass tut man am besten, wenn man sich eine Vorfreude für das Ereignis aufbaut."

Sie sind zweifacher Olympiasieger im Marathon - wann und wie haben Sie mit dem Laufen begonnen?

"'Rennen' habe ich ab dem 6. Lebensjahr bestritten. Den Anfang bildete aber der Sommer, wenn der Eismann mit seinem Auto in unser Dorf kam. Dann liefen die Kinder um die Wette, denn wer zuerst beim Auto war bekam eine Kugel gratis. Meist gewann ich die Rennen. Später dann war es der Schulbus, zu dem ich immer rannte..."

Letzte Frage Herr Cierpinski: Was entgegnen Sie den Leuten, die dieses Interview lesen und sich dennoch nicht begeistern lassen, sondern Laufen einfach nur langweilig finden? Das ist nämlich angeblich der Hauptgrund, weswegen "Nichtläufer" diesen Sport ablehnen...

"Tja, 4 bis 6 Wochen lang ist es zugegebenermaßen wohl eine Qual. Zu lernen raus zu gehen und einfach loszulaufen, das kostet große Überwindung. Nach 6 Wochen geht aber meist vieles von alleine und der innere Schweinehund fängt tatsächlich an, Spaß am Laufen zu haben. Dann ist es eine Wohltat für Körper und Geist - und alles andere als langweilig!"

(ein Interview des mdr vom 11. Dezember 2006)
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