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Christiane Reppe
 Christiane Reppe - USV TU Dresden
Schwimmen (mit Handicap)


Bronze bei Paralympics 2004 in Athen

Jeden Tag fünf Kilometer
„Es ist halt so“, sagt Christiane Reppe zu ihrer Behinderung. Bei der Sportgala Sachsens wurde sie am Sonnabend hoch geehrt.


Es gibt Mädchen, die sehen selbst im Prinzessinnenkleid nicht wie Mädchen aus. Christiane war so eins. Sie wurde von den meisten „Karli“ genannt, wusste sich dem Vernehmen nach gegen die Übergriffe ihres vier Jahre älteren Bruders recht effektiv zur Wehr zu setzen, machte alles mit, probierte alles aus. Kurz: Sie war so ein Kind, auf das die Eltern stolz sind, weil es so fit und aktiv ist.

Bei Sachsens Sportgala im Dresdner Kongresszentrum am vergangenen Sonnabend hatten Christianes Eltern allen Grund, einmal mehr stolz auf ihre Tochter zu sein. Im großen Wettbewerb der Frauen um den Titel Sachsens „Sportlerin des Jahres“ wurde die 17-jährige Christiane Zweite hinter Rodlerin Sylke Otto. Christiane Reppe hat es geschafft, bei den Paralympics in Athen zwei Bronzemedaillen zu erschwimmen. Das ist der eine Grund für die Ehrung. Der andere ist ihre optimistische Lockerheit, mit der sie über ihre schwere Behinderung spricht und überzeugend cool feststellt: „Es ist halt so.“ Es gibt sehr viele nicht behinderte Menschen, die größere Probleme mit der Beschaffenheit ihres Körpers haben.

Als Christiane Reppe fünf Jahre alt war, wurde ihr rechtes Bein auf Hüfthöhe amputiert. Es war damals, so sagt sie, „zwar ein doofer, aber doch nur ein neuer Anfang“. Menschen, die unversehrt mitten im Leben stehen und eine Behinderung bekommen, haben es ihrer Meinung nach viel schwerer. „Manche denken, ihr Leben sei vorbei.“ Ein Kind denkt so etwas nicht. Klar, sie wurde „angeglotzt“. Es gab Kinder, die brachten im Streit, um ganz besonders zu verletzen, das unsinnige Argument ins Spiel: „Du hast doch nur ein Bein.“ Aber daran gewöhnte sich Christiane: „Es wird dir egal mit der Zeit, du wirst stark.“ In der Straßenbahn fragen die Leute, ob sie sich setzen will. Und sie antwortet: „Nö, ich stehe lieber.“ Wer Fahrrad und Inline Skates fahren kann, braucht keinen Sitzplatz. Ihr will wirklich keine Situation einfallen, bei der sie Hilfe bräuchte.

Mit dem Sport befreit

In der Schule hat sie Fangen mitgespielt, Völkerball und Volleyball. Selbst Hochsprung hat sie versucht. Auf Krücken. Sie geht tanzen und tauchen. Ihr Vater nahm sie auch zum Skifahren mit. Da ist sie beim ersten Mal umgefallen, nach einer Woche die schwarzen Pisten runtergefahren, ein knappes Jahr später war Christiane Reppe als Junior Mitglied der Nationalmannschaft im Ski-Alpin der Behinderten. Sie hat bei verschiedenen Meisterschaften und Ländercups zweite und dritte Plätze belegt. Wohlgemerkt ohne dass sie richtig trainieren konnte, weil sie nun mal in Dresden auf verhältnismäßig flachem Land lebt. Christiane hat sich mit dem Sport befreit, nicht von ihm. Durch den Sport wurde sie erfolgreich. Durch ihn ist sie in der Welt rumgekommen. Sie war in Argentinien, in Kanada und in Griechenland. Die schönen Geschichten, die merkt man sich.

Mit fünf wurde alles anders

An die Krankheit kann sich Christiane nicht mehr erinnern. Nur die Geschichten vom Traumzauberbaum, die sie in der Klinik rauf und runter hörte, die sind nicht vergessen. Und dass sie manchmal aus dem Bett geklettert ist, was sie eigentlich nicht durfte. „Sie hatte Schmerzen gehabt, aber immer gelacht“, sagt ihre Mutter, die solche Angst hatte um ihre „Karli“. Der Tumor an Christianes rechtem Oberschenkel war bösartig. Die Heilungsaussichten nicht gut. Während sich die behandelnden Ärzte schwer damit taten, drängte die Mutter darauf, dass das Bein abgenommen werden soll, um dem Krebs keine Zeit zu schenken. Unermesslich das Leid der Eltern, des Bruders und das des kleinen Mädchens. Und unendlich groß ihre Hoffnung, dass alles gut wird. Mit zwei Beinen hat Christiane noch Fahrrad fahren gelernt, dann kam der Tag der Operation. Die Mutter hatte ihrer Tochter erzählt, was die Ärzte tun werden. Aber sie begriff es nicht. Als sie auf der Intensivstation aufwachte, sagte sie noch zu ihrer Mama: „Das Bein soll aber keiner abmachen.“ Sie war verwirrt, die Seele im Krankenhausstress. Ihr Körper, der so lang an Schläuchen hängen musste, magerte ab. Jedoch, die Wunden verheilten schneller als erwartet. Und als Ende 1992 alles vorbei war, flog die Familie zur Erholung in die Sonne von Gran Canaria. Im Pool brachte der Vater seiner Christiane das Schwimmen bei. Am Silvestertag schaffte sie das erste Mal eine ganze Bahn.

Die Eltern unterstützen ihre Tochter auch heute noch nach besten Kräften und Gewissen. Der Vater, ein Marathonläufer, fördert ihren sportlichen Ehrgeiz und die Mutter bremst auch mal, je nach Sportart. Beim Skifahren hat sie Angst um Christiane, so wie wohl jede Mutter Angst hätte um ihr Kind, würde es auf einem Bein im Kampf um Sekunden vereiste Berge runterheizen. Selbst wenn sie sich nur einen Finger brechen würde, könnte sie sich nicht mehr allein auf ihren Krücken fortbewegen. Ihrer Mutter war es sicher mehr als recht, dass ihre Tochter vor kurzem die Einladung zur kommenden Meisterschaft ausschlug.

Christiane hat sich fürs Schwimmen entschieden. Sie war schon immer gern im Wasser. Mag sein, dass dieses Element noch am ehesten ihre Behinderung aufhebt, jedenfalls ist es „ein schönes Gefühl“, darin zu sein. „Ich habe natürlich nicht sofort angefangen, übelst zu trainieren“, sagt sie. Erst seit vier Jahren geht sie regelmäßig schwimmen. Sie betrachtete das zunächst als therapeutische Maßnahme für die Arme. Die waren durch das Laufen an den Krücken zwar stark beansprucht, aber – wie sich herausstellte – auch kräftiger geworden waren. Christiane wurde im Wasser immer schneller, ging erst einmal, dann zweimal, dann dreimal pro Woche trainieren. Heute schwimmt sie täglich fünf Kilometer.

Wichtiger als Medaillen

Dass der Sport als Beruf für sie als Behinderte nicht in Frage kommt, findet sie überhaupt nicht tragisch. „Es wäre auch gar nicht mein Traum, nur noch zu schwimmen“, meint sie. „Ich will nach dem Abi lieber was Künstlerisches machen, Architektur zum Beispiel.“ Aber sie trainiert freilich weiter. Sie startet bei Wettkämpfen in der „Schadensklasse neun“. Ihre Paradedisziplin ist der Freistil und ihre Lieblingsstrecke 400 Meter. Bei den Paralympics in Athen brauchte sie dafür knappe 4 Minuten 59, was ihr eine von zwei Bronzemedaillen nebst Lorbeerkränzen einbrachte.

Sie sieht zufrieden aus auf den Fotos der Siegerehrung. Und man weiß, sie muss ehrgeizig sein, schließlich gewinnt man bei den Paralympics nicht zufällig. Aber der Spaß mit den Leuten in der Gruppe und das In-der-Welt-Rumkommen scheint für sie größere Bedeutung zu haben als die Medaillen. Selbst ihr Trainer glaubt nicht, dass sie mit mehr Ernsthaftigkeit und weniger Spaß ebenso erfolgreich wäre. Es ist Christianes Art, mit der Behinderung und den sportlichen Herausforderungen umzugehen, und sie erzählt lächelnd, dass manche Kollegen in Athen schon bei der Eröffnungsfeier der „Normalen“ angefangen haben zu weinen. Für sie war unterm Strich das Schönste, dass sie ihren Freund, der in Belgien wohnt, drei Wochen ganz nah bei sich hatte.

Bis 2008 wird Christiane Reppe auf jeden Fall weiterschwimmen. Nicht weil der olympische Ruhm auf sie wartet, sondern weil sie unbedingt mal nach Peking fliegen möchte. Und egal wie wichtig ihr das ist, es werden sicher weitere Preise und Ehrungen folgen.

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